Ihr Lieben - der Herzmann hat wieder zum Stift gegriffen - bzw. zur Tastatur. Nach meinem "Wie ich euren Vater kennen lernte" hier nun sein Gegenstück dazu.
Ich bin verzaubert.
Während ich immer noch nicht
genau weiß, welches Ende von „HIMYM“ mir besser gefällt, überlege ich, was ich
meinen Kindern eigentlich später mal erzählen würde…
Naja letztendlich ist es doch
sehr einfach, man muss sich nur erst einmal eingestehen, dass es sowieso kein
Anhalten gibt. Es geht einfach immer weiter, ob man will oder nicht – und zum
Glück ist das auch so.
Ehe ich mich versah, war das
Abitur bestanden, das erste Geld verdient und neun Monate Wehrpflicht hinter
mir. Und dann muss man sich noch eingestehen, dass Eltern doch recht haben: man
wird die Schulzeit noch vermissen. Doch darum ging es erstmal nicht, dann da
die ersten Bewerbungstermine schon verstrichen waren, musste Plan B her. Aber
wie sah der aus? Jedenfalls musste es irgendwie vorwärts gehen, also erstmal
das machen, was alle machen – BWL studieren? Naja lieber doch nicht. Also zum
Lückenfüllen erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr. Was’n das? Ja, genau das
habe ich mich auch gefragt.
Naja erstmal anhören, was einem
die Leute dazu zu sagen haben und dann mal weiter sehen. Weitersehen war
sowieso erstmal das Wichtigste. „Du triffst dich dann zu einigen Seminaren mit
anderen FSJ’lern in Teterow, lernt euch und die Arbeit kennen und macht verschiedene
Projekte zusammen.“ erklärte mir die nette Frau vom Deutschen Roten Kreuz. Na
das konnte ja was werden. Was genau, sollte ich dann schon sehen.
Ich hatte damals die Nase voll
von den Menschen um mich herum. Besonders Freunde, die letztendlich doch keine
waren. Aus der Zeit sind mir genau zwei davon geblieben. Und dann noch die
Frauen, denen man als Kumpel gut genug war, aber mehr dann auch doch nicht –
gefriendzoned halt. Ich hatte die Schnauze sowas von voll, von allem und jedem.
Also auf zum FSJ-Seminar, mit
vielen neuen Leuten, anderer Umgebung und neuer Arbeit – also genau das, was
ich brauchte. Dort (in Teterow) angekommen, sah ich die ersten verängstigten
Gesichter. Manche gerade einmal erst frisch von der Schulbank, das erste Mal
weg von der vertrauten Heimat. Ich kannte das nur viel zu gut. Irgendwie ging
jedem das Gleiche durch den Kopf: Was soll ich eigentlich hier? Kaum ein paar
Minuten dort, sollte sich diese Frage für mich schon restlos klären.
Hier könnte die Geschichte
eigentlich schon enden, denn genau hier traf ich sie.
Da saßen nun um die 20 Leute, die
sich nun jeder der Reihe nach vorstellen sollten. Allerdings war jeder viel zu
sehr damit beschäftigt, diese Situation irgendwie zu verarbeiten. Da sitzt man
nun mit all diesen fremden Leuten und soll sich alles merken, was dort erzählt
wird. Ich hab es gerade einmal geschafft mir den Namen der Gruppenleiterin zu
merken.
Aber wer ist dieses Mädchen dort?
Verdammt, hätte ich doch mal aufmerksam zugehört und nicht nur geträumt.
Eigentlich hatte ich mir vor dem Seminar geschworen, alles auf mich zukommen zu
lassen und vor allem mich nicht mehr so schnell zu verlieben. Naja das mit dem
„nicht mehr so schnell zu verlieben“ ging sofort schief. Da saß sie nun, lauschte
schüchtern den anderen und lächelte. So ein Glück wie ich immer mit den Frauen
hatte, hing sie entweder noch an ihrem Ex oder ist vergeben oder oder oder…
jedenfalls war ich eigentlich nicht dort, um mich zu verlieben, aber was läuft
schon nach Plan? Nichts natürlich.
Der erste Abend kam, man wurde
mit der Gruppe doch langsam warm und man redete und lachte viel. Alle, außer
sie. Verdammt noch mal ich wusste ihren Namen immer noch nicht. Aber Hauptsache
jetzt schon verschossen, typisch ich halt. Anfangs hatte sie nur ihr Handy in
der Hand, schrieb eine SMS nach der anderen (ja, es gab noch kein Whatsapp, geschweige
denn überhaupt richtige Internet-Flats). Gut, also sollte sich meine
Befürchtung bestätigt haben, oder? Nicht ganz. Wie ich nach und nach
feststellte, war es doch nur ein Kumpel – und selbst wenn, ich glaube es wäre
mir egal gewesen. Ich musste sie unbedingt besser kennen lernen, verschossen
war ich eh schon. Und ob mir nun nochmal das Herz gebrochen wird oder nicht,
ist dann auch egal – ich kannte es ja nicht anders.
Aber das tat sie nicht; im
Gegenteil, sie puzzelte es wieder zusammen. Die restlichen Tage vergingen sehr
schnell, viel zu schnell.
Es stand ein Ausflug nach Rostock
an. Irgendwas besichtigen und dann noch Stadtbummel. Doch unsere
Gruppenleiterin wurde krank und da ich einer der ältesten war, fragte sie mich,
ob ich mich nicht zusammen mit wem anders um alle kümmern könnte. Bitte? Ich?
Gutmütig wie ich wieder war, sagte ich natürlich sofort zu. Aber mit wem denn?
„Frag doch Anne.“ sagte sie. Wen? Es dämmerte mir – ich grinste.
Also setzte ich alles auf eine
Karte, frage die schöne Unbekannte namens Anne und freute mich, dass sie das
Abenteuer mit mir zusammen wagen wollte. Ich muss sicherlich nicht erwähnen,
dass mir mein kleines Herz dabei in die Hose rutschte. Es folgte wildes
Getuschel unter allen anderen, als unsere Gruppenleiterin allen erzählte, dass
wir beide den Ausflug leiten sollten.
Endlich in Rostock angekommen,
wartete ich am Bus noch kurz, um meine Mitstreiterin zu fragen, was sie in der
freien Zeit in Rostock macht und wie wir später alle wieder zusammengetrommelt
kriegen. Auch das klärte sich sofort: alle anderen waren bereits gegangen,
hatten sich in ihren Grüppchen zusammengefunden und die ersten Läden
angesteuert. Da stand ich also mit ihr. Und nun? Wir müssen beide sehr hilflos
ausgesehen haben. Also verbrachten wir die freie Zeit zusammen.
Moment mal: saß ich da gerade
echt mit dem Mädchen, in das ich mich auf Anhieb verliebt habe, in einem Café
in Rostock? Aber auch dieser Tag ging leider viel zu schnell vorbei und immer
wieder überlegte ich, ob es eigentlich verrückt wäre, sie einfach zu küssen.
Es war Freitag, Abreisetag.
Wollte ich doch erst überhaupt nicht zu diesem Seminar fahren, wollte ich jetzt
gar nicht mehr los, denn es bedeutete Abschied nehmen - Abschied von ihr.
Da standen wir nun im Zug, sollten
uns verabschieden. Wir umarmten uns, als kannten wir uns schon ein Leben lang.
Da stand sie nun auf dem Bahnsteig, ich im Zug. Ich sah ihr noch eine gefühlte
Ewigkeit hinterher, bis der Zug weiter fuhr – und ich vermisste sie. Spätestens
jetzt musste ich mich eingestehen, dass Amor mit einer Panzerfaust auf mich
geschossen hatte.
Der ein oder andere wird MeinVZ
noch kennen, lange bevor man überhaupt wusste, was Facebook ist. Kaum zu Hause
angekommen, schrieb ich ihr dort eine Nachricht, denn ich Idiot hatte es doch
tatsächlich nicht geschafft, sie nach ihrer Nummer zu fragen. Die Antwort kam
prompt, wir tauschten die Nummern aus und schrieben und schrieben und
schrieben…
Ein paar Tage später war ich dann
derjenige, der auf dem Bahnsteig stand und den Besuch aus Bergen empfing. Ich
glaube jeder Pulsmesser hätte in diesem Moment versagt oder wäre sogar
explodiert.
Da sie noch nie in Greifswald
war, schlug ich vor, dass wir uns die Stadt einfach mal von oben angucken
sollten. Also stiegen wir die endlos erscheinenden Stufen auf den Greifswalder
Dom hinauf und genossen die Aussicht zusammen. Ich erzählte ihr, was mir gerade
so zu den ganzen winzigen Gebäuden einfiel und redete mich um Kopf und Kragen,
bis mir irgendwann die Worte fehlten. Da war es wieder: ihr Lächeln. Es ist nie
gegangen. Sie ist nie wieder gegangen. Es war der 25. August 2010.
Wie ich schon sagte: letztendlich
ist alles sehr einfach.
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